Glossar
Wirtschaftsbegriffe, einfach erklärt.
Von EPU bis Nachbemessung — alle wichtigen Begriffe rund um Gründung, Steuern und Sozialversicherung in Österreich. Verständlich, kurz und mit Links zu unseren Tools.
Rechtsformen
Rechtsformen
EPU
— Ein-Personen-UnternehmenDie einfachste Unternehmensform in Österreich. Du bist alleiniger Inhaber, es gibt kein Mindestkapital und keine Bilanzierungspflicht bis 700.000 € Umsatz. Dafür haftest du mit deinem gesamten Privatvermögen.
Rechtsform-RechnerGmbH
— Gesellschaft mit beschränkter HaftungDie beliebteste Kapitalgesellschaft in Österreich. Stammkapital: 35.000 € (davon mind. 17.500 € bei Gründung). Dein Privatvermögen ist geschützt — du haftest nur mit der Einlage. Doppelte Buchhaltung ist Pflicht.
Rechtsform-RechnerOG
— Offene GesellschaftPersonengesellschaft für zwei oder mehr Gründer. Kein Mindestkapital, aber alle Gesellschafter haften unbeschränkt und solidarisch — jeder für alles. Firmenbucheintrag erforderlich.
Rechtsform-RechnerKG
— KommanditgesellschaftWie die OG, aber mit zwei Rollen: Der Komplementär haftet unbeschränkt und führt das Unternehmen. Der Kommanditist haftet nur mit seiner Einlage — ideal für stille Beteiligungen.
Rechtsform-RechnerStammkapital
— Mindestkapital einer GmbHDas Stammkapital einer GmbH in Österreich beträgt 35.000 €, wovon mindestens 17.500 € bei der Gründung eingezahlt werden müssen. Es dient als Haftungsgrundlage und wird im Firmenbuch eingetragen.
GmbH vs. EPUKomplementär
— Unbeschränkt haftender Gesellschafter einer KGDer Komplementär führt die KG und haftet unbeschränkt mit seinem gesamten Privatvermögen. Er ist SVS-pflichtig und hat volle Geschäftsführungsbefugnis. Im Gegensatz zum Kommanditist, der nur mit seiner Einlage haftet.
OG vs. KGKommanditist
— Beschränkt haftender Gesellschafter einer KGDer Kommanditist haftet nur bis zur Höhe seiner Einlage — sein Privatvermögen ist geschützt. Er hat kein Recht zur Geschäftsführung und ist nur bei aktiver Mitarbeit SVS-pflichtig. Ideal für stille Investoren.
OG vs. KGGmbH & Co KG
— KG mit einer GmbH als KomplementärEine verbreitete Konstruktion: Die GmbH übernimmt die Rolle des unbeschränkt haftenden Komplementärs. Dadurch haftet effektiv niemand persönlich — die Haftung ist auf das GmbH-Stammkapital und die Kommanditeinlagen beschränkt.
GmbH vs. KGSolidarhaftung
— Jeder Gesellschafter haftet für allesBei der OG haften alle Gesellschafter solidarisch — ein Gläubiger kann die gesamte Schuld bei jedem einzelnen Gesellschafter einfordern, unabhängig von dessen Gewinnanteil. Der Gesellschafter kann sich dann intern an die anderen wenden.
OG vs. KGSozialversicherung
Sozialversicherung
SVS
— Sozialversicherung der SelbständigenDie Pflichtversicherung für alle Gewerbetreibenden in Österreich. Umfasst Kranken-, Pensions- und Unfallversicherung. Beiträge richten sich nach dem Gewinn — mit Mindest- und Höchstbeitragsgrundlage.
SVS-BeitragsrechnerGSVG
— Gewerbliches SozialversicherungsgesetzRegelt die Sozialversicherung für Gewerbetreibende, Gesellschafter und Freiberufler. Bildet die Grundlage für die SVS-Pflichtversicherung und die Beitragsberechnung.
SVS-BeitragsrechnerMindestbeitragsgrundlage
— MBG — Minimale Berechnungsbasis für SVS-BeiträgeSelbst wenn dein Gewinn unter der MBG liegt, zahlst du SVS-Beiträge auf Basis dieses Mindestbetrags (2026: ca. 551 €/Monat). Für Neugründer gilt diese als vorläufige Basis — die Nachbemessung erfolgt später.
SVS-BeitragsrechnerNachbemessung
— Nachträgliche Anpassung der SVS-BeiträgeNeugründer zahlen zunächst vorläufig auf Basis der Mindestbeitragsgrundlage. Wenn der Einkommensteuerbescheid vorliegt, berechnet die SVS die tatsächlichen Beiträge nach — du zahlst nach oder bekommst eine Gutschrift.
Opting-in
— Freiwillige Krankenversicherung bei der SVSSelbständige unter der Versicherungsgrenze können sich freiwillig bei der SVS krankenversichern (Opting-in). Das kostet den halben KV-Beitragssatz und kann innerhalb von 6 Monaten nach Beginn der Tätigkeit beantragt werden.
SVS-BeitragsrechnerAufwertungszahl
— Inflationsanpassung für SVS-BeitragsgrundlagenDie SVS passt die vorläufige Beitragsgrundlage jährlich mit der Aufwertungszahl an die Inflation an. Für die Berechnung 2026 wird das Einkommen aus 2023 herangezogen und mit dieser Zahl multipliziert.
SVS-BeitragsrechnerFörderungen
Förderungen
NeuFöG
— NeugründungsförderungsgesetzBefreit Neugründer von verschiedenen Gebühren: Stempelgebühren, Gerichtsgebühren für Firmenbuch, Grunderwerbsteuer und bis zu 12 Monate Lohnnebenkosten. Die Bestätigung holst du beim WKO-Gründerservice.
GewerbeanmeldungAWS
— Austria WirtschaftsserviceDie Förderbank des Bundes. Vergibt Zuschüsse, Garantien und Beteiligungen an Gründer und KMU — darunter den Gründungsfonds, Preseed und Seedfinancing.
FFG
— Österreichische ForschungsförderungsgesellschaftFördert Forschung, Technologie und Innovation in Österreich. Das Basisprogramm deckt bis zu 50 % der Projektkosten für F&E-Vorhaben.
Gewerbeanmeldung
Gewerbeanmeldung
GISA
— Gewerbeinformationssystem AustriaDas zentrale Register aller Gewerbetreibenden in Österreich. Nach der Gewerbeanmeldung wirst du automatisch eingetragen — das ersetzt den früheren Gewerbeschein.
GewerbeanmeldungFreies Gewerbe
— Gewerbe ohne BefähigungsnachweisGewerbe, das keinen speziellen Nachweis (Meisterprüfung, Studium) erfordert. Du kannst sofort nach der Anmeldung mit der Tätigkeit beginnen. Beispiele: IT-Dienstleistungen, Unternehmensberatung, Handel.
GewerbeanmeldungReglementiertes Gewerbe
— Gewerbe mit BefähigungsnachweisGewerbe, das einen Befähigungsnachweis erfordert — z.B. Meisterprüfung, Studienabschluss oder mehrjährige Berufserfahrung. Beispiele: Baumeister, Elektrotechnik, Gastgewerbe, Kosmetik.
GewerbeanmeldungFirmenbuch
— Öffentliches Register aller Unternehmen in ÖsterreichDas Firmenbuch ist das zentrale Unternehmensregister Österreichs, geführt von den Landesgerichten. GmbH, OG und KG müssen eingetragen werden. EPU nur ab 700.000 € Umsatz. Jeder kann das Firmenbuch online einsehen.
Gewerbeschein
— Nachweis der Gewerbeberechtigung (veraltet)Seit der Einführung des GISA (Gewerbeinformationssystem Austria) wird kein physischer Gewerbeschein mehr ausgestellt. Die Berechtigung wird digital im GISA vermerkt und kann online abgefragt werden.
GewerbeanmeldungSteuern
Steuern
KöSt
— KörperschaftsteuerDie Einkommensteuer für Kapitalgesellschaften (GmbH, AG). In Österreich beträgt die KöSt 23 % auf den Gewinn. Bei Gewinnausschüttung kommt zusätzlich 27,5 % KESt hinzu.
KESt
— KapitalertragsteuerSteuer auf Kapitalerträge (Dividenden, Zinsen). Beträgt in Österreich 27,5 %. Wird bei GmbH-Ausschüttungen zusätzlich zur KöSt fällig — das ergibt eine Gesamtbelastung von ca. 45,6 %.
Kleinunternehmerregelung
— USt-Befreiung bis 35.000 € UmsatzUnternehmer mit einem Jahresumsatz bis 35.000 € (netto) sind von der Umsatzsteuer befreit. Du stellst keine USt in Rechnung, darfst aber auch keinen Vorsteuerabzug geltend machen.
Vorsteuerabzug
— Rückerstattung der bezahlten UmsatzsteuerUnternehmer, die umsatzsteuerpflichtig sind, können die USt, die sie auf Einkäufe zahlen (Vorsteuer), vom Finanzamt zurückfordern. Kleinunternehmer (bis 35.000 € Umsatz) haben keinen Vorsteuerabzug.
Umsatzsteuer (USt)
— Mehrwertsteuer in Österreich — 20 %, 13 % oder 10 %Die USt beträgt regulär 20 %. Ermäßigte Sätze: 13 % (z.B. Beherbergung) und 10 % (z.B. Lebensmittel, Bücher). Unternehmer stellen USt in Rechnung und führen sie ans Finanzamt ab, nach Abzug der Vorsteuer.
Einkommensteuer (ESt)
— Progressive Steuer auf Einkünfte natürlicher PersonenIn Österreich gilt ein progressiver Steuertarif von 0 % bis 55 %. Die ersten 12.816 € (2026) sind steuerfrei. EPU-Inhaber und Gesellschafter von Personengesellschaften zahlen ESt auf ihren Gewinn.
Buchhaltung
Buchhaltung
E/A-Rechnung
— Einnahmen-Ausgaben-RechnungVereinfachte Buchführung für EPU und Personengesellschaften bis 700.000 € Umsatz. Du erfasst nur Einnahmen und Ausgaben — keine doppelte Buchhaltung, kein Jahresabschluss.
Bilanzierungspflicht
— Pflicht zur doppelten BuchhaltungKapitalgesellschaften (GmbH, AG) sind immer bilanzierungspflichtig. Einzelunternehmen und Personengesellschaften erst ab 700.000 € Jahresumsatz (in zwei aufeinanderfolgenden Jahren) oder ab 1.000.000 € in einem Jahr.
Registrierkassenpflicht
— Elektronische Aufzeichnung von BarumsätzenAb 15.000 € Jahresumsatz und 7.500 € Barumsatz müssen Betriebe in Österreich eine elektronische Registrierkasse verwenden. Die Kasse muss mit einer Signaturerstellungseinheit ausgestattet und beim Finanzamt registriert sein.
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